Aufbau Elterntierbestand

Geschrieben von Jörn Gessner am . Veröffentlicht in NORDSEE-PROJEKTE

Die Grundvoraussetzung für die Nachzucht von Jungfischen für den Besatz ist die Verfügbarkeit eines ausreichend großen und diversen Bestandes an Elterntieren. In Deutschland wird der Grundstock eines solchen Bestandes am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei seit 1996 in Kooperation mit dem französischen Cemagref etabliert.

Haltungseinrichtung für den Elterntierbestand am IGB

Um eine ausreichende genetische Vielfalt in den Nachzuchten sicherzustellen, sollen genetische Zuchtpläne für die Vermehrung entwickelt werden. Auf diese Weise soll dem Verlust seltener genetischer Marker entgegen gewirkt werden. Diese Praxis setzt allerdings die zeitgleiche Reifung der benötigten Tiere voraus, was bei den unterschiedlichen Reifungszyklen der Männchen und Weibchen sowie der begrenzten Anzahl der Tiere im Elterntierbestand nicht voraus gesetzt werden kann. Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, wird vermehrt auf die Kryokonservierung von Sperma gesetzt, die eine fast unbegrenzte Lagerfähigkeit ermöglicht und somit die Verfügbarkeit genetisch passender Elterntiere absichert.

A. sturio Jahrgang 1995 in Haltung am IGB

Für den Europäischen Stör (A. sturio) und damit die Arbeiten im Nordseeeinzugsgebiet stellt sich die Frage nach der Größe des Elterntierbestandes und damit auch der genetischen Vielfalt derzeit in besonderem Maße. Für den A. sturio wurden im Rahmen der Zusammenarbeit mit der französischen Forschungseinrichtung CEMAGREF im Jahr 1996 Tiere aus kontrollierter Nachzucht an das IGB gebracht. Davon befinden sich 11 geschlechtsreife Tiere in Haltung am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Die Tiere sind zurzeit neben einem in der Nordsee gefangenen Fisch, der im Aquarium Helgoland gehalten wird, die einzigen A. sturio, die es in Deutschland gibt. Versuche diesen Bestand durch Fische aus der Fischerei zu erweitern, waren bislang erfolglos.Haltung der Elterntiere bei der Cemagref (St Seurin)

Nachzuchten aus kontrollierten Vermehrungen des ex-situ Bestandes des Cemagref in Bordeaux der Jahre 2007-2009 bilden mittlerweile einen erheblich größeren Bestand, der zur Geschlechtsreife aufgezogen wird. Bis diese Tiere in die Vermehrungen einbezogen werden können, werden sicherlich noch mehr als 6 Jahre vergehen.